Immer mehr Menschen fragen nicht mehr Google, sondern ChatGPT: „Welchen Anwalt soll ich nehmen?" Die KI antwortet nicht mit zehn blauen Links, sondern mit einer Empfehlung – drei Namen, jeweils begründet. Wer genannt wird, gewinnt den ersten Kontakt. Wer nicht genannt wird, existiert für diesen Mandanten nicht. Deshalb haben wir es ausprobiert.
Wir haben vier KI-Systeme dieselbe Frage gestellt – ChatGPT (mit Websuche), Perplexity, Gemini und die Google-KI-Übersicht – und das über drei Rechtsgebiete in drei verschiedenen Städten. Kein Ratgeber, sondern ein Feldversuch mit echten Antworten. Was dabei herauskam, war teils überzeugend, teils erschreckend – und in einem Fall schlicht falsch.
Alle genannten Kanzleien sind in diesem Beitrag anonymisiert (Kanzlei A, B, C). Uns geht es nicht um die Namen, sondern um das Muster dahinter: Wonach entscheidet die KI – und was bedeutet das für Ihre Kanzlei? Der rote Faden führt direkt zur KI-Sichtbarkeit als Teil der Suchmaschinenoptimierung für Rechtsanwälte.
Der Versuchsaufbau
Damit die Ergebnisse vergleichbar sind, war der Ablauf für jedes System gleich. Wir haben in jedem Rechtsgebiet dieselbe Mandantenfrage gestellt: „Ich suche eine gute [Rechtsgebiet]-Kanzlei in [Stadt]. Welche drei Kanzleien empfiehlst du mir – und warum jeweils?" Danach zwei Nachfragen: Worauf stützt du die Empfehlung? Und: Gibt es diese Kanzleien wirklich, mit Website und Adresse?
Getestet wurde über drei bewusst unterschiedliche Märkte: ein hochfrequentes Rechtsgebiet in einer mittelgroßen Stadt, ein stark umkämpftes Rechtsgebiet in einer Großstadt und ein Nischen-Rechtsgebiet in einer Landeshauptstadt. So zeigt sich, ob die KI in jedem Umfeld gleich zuverlässig arbeitet.
- Vier Systeme: ChatGPT mit aktiver Websuche, Perplexity, Gemini und die Google-KI-Übersicht, die in der normalen Google-Suche über den Ergebnissen erscheint.
- Drei Fragen pro Markt und System, gleicher Wortlaut, gleicher Tag. Antworten wurden unverändert übernommen – auch Fehler und Widersprüche.
- Anonymisierung: Alle Kanzleinamen sind ersetzt. Wo eine von uns betreute Kanzlei auftauchte, weisen wir das aus, ohne den Namen zu nennen.
Runde 1: Was die KI empfahl
Das erste Ergebnis vorweg: Alle vier Systeme lieferten in allen drei Märkten bereitwillig drei konkrete Kanzleien mit Begründung. Die KI weigert sich nicht, sie wählt aus. Nur wählt sie sehr unterschiedlich.
Markt 1: hohe Übereinstimmung
Im ersten Markt – ein alltägliches Rechtsgebiet in einer mittelgroßen Stadt – waren sich die Systeme ungewöhnlich einig. Eine bestimmte Kanzlei (nennen wir sie Kanzlei A) wurde von allen vier Systemen empfohlen, in drei von vieren sogar auf Platz eins. Der Grund war in jeder Begründung ähnlich: klare Spezialisierung, Fachanwaltstitel, große und sichtbare Bewertungsbasis.
Bemerkenswert für uns: Kanzlei A ist eine von uns betreute Kanzlei. Sie taucht nicht zufällig überall auf, sondern weil genau die Signale vorhanden sind, auf die die KI achtet. Das ist der Beweis, dass sich KI-Empfehlungen beeinflussen lassen – nicht durch Tricks, sondern durch nachweisbare Substanz.
Markt 2: völlige Uneinigkeit
Im zweiten Markt – ein stark umkämpftes Rechtsgebiet in einer Großstadt – kippte das Bild. Die vier Systeme nannten zusammen rund ein Dutzend verschiedener Kanzleien, und nur eine einzige tauchte bei zwei Systemen gleichzeitig auf. Jedes System hatte praktisch seine eigene Wahrheit.
Und noch etwas fiel auf: Eine weitere von uns betreute Kanzlei in diesem Markt wurde von keinem einzigen System genannt. Sie ist fachlich stark, aber in genau den Quellen, aus denen die KI schöpft, zu wenig präsent. In einem überfüllten Markt entscheidet nicht Qualität allein, sondern Sichtbarkeit in den richtigen Quellen.
Markt 3: die Nische
Im dritten Markt – ein Nischen-Rechtsgebiet in einer Landeshauptstadt – wurde eine dritte von uns betreute Kanzlei nur von einem einzigen System empfohlen, dort allerdings auf Platz eins. Die anderen drei Systeme kannten sie nicht. In Nischen, in denen es wenige Quellen und wenige Bewertungen gibt, wird die KI unberechenbar – und kleine Unterschiede in der Sichtbarkeit entscheiden alles.
Sie möchten wissen, ob die KI Ihre Kanzlei empfiehlt – und warum nicht? Wir führen denselben Test für Ihr Rechtsgebiet durch und zeigen Ihnen die Antworten aller vier Systeme.
Die fünf Signale, auf die alle Systeme achten
Am aufschlussreichsten war die zweite Frage: Worauf stützt du deine Empfehlung? Alle vier Systeme legten ihre Kriterien offen – und sie ähnelten sich verblüffend. Fünf Signale kehrten immer wieder, in dieser Reihenfolge der Wichtigkeit.
- 1. Fachanwaltstitel. Das mit Abstand stärkste Signal. Ein „Fachanwalt für X" wiegt für die KI deutlich schwerer als die Angabe „Tätigkeitsschwerpunkt X". Systeme nannten Fachanwaltstitel ausdrücklich als Hauptkriterium.
- 2. Echte Spezialisierung. Entscheidend ist, ob ein Rechtsgebiet Kerngeschäft ist oder nur eines von zehn. Kanzleien, die ein Gebiet klar in den Mittelpunkt stellen, wurden bevorzugt – „alle Rechtsgebiete" ist für die KI ein Nachteil.
- 3. Präsenz in Verzeichnissen und Rankings. Die Systeme stützten sich stark auf Anwaltsverzeichnisse und Fachrankings. Wer dort mit vollständigem Profil steht, wird zur Quelle der KI – wer fehlt, existiert nicht.
- 4. Google-Bewertungen und Maps – aber sekundär. Bewertungen spielten eine Rolle, wurden aber von den textbasierten Systemen ausdrücklich niedriger gewichtet als Fachanwaltstitel. Ein System betonte mehrfach, es schaue nicht auf „4,9 gegen 4,8", sondern auf Anzahl und Substanz.
- 5. Konsistente, überprüfbare Angaben auf der eigenen Website. Die KI gleicht ab. Wenn Fachanwaltstitel, Adresse und Schwerpunkte auf der Website klar und maschinenlesbar stehen, kann die KI sie zitieren. Widersprüchliche oder fehlende Angaben führen zu Unsicherheit oder Auslassung.
Drei dieser fünf Signale sind klassische Marketing-Bausteine: die Präsenz in Anwaltsverzeichnissen, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit Bewertungen und eine strukturierte, maschinenlesbare Website. Wer sie aufbaut, arbeitet nicht gegen die KI, sondern liefert ihr genau das, wonach sie sucht.
ChatGPT vs. Perplexity vs. Gemini vs. Google-KI
So ähnlich die Kriterien klangen, so unterschiedlich arbeiteten die Systeme in der Praxis.
ChatGPT (mit Websuche)
Am gründlichsten und selbstkritischsten. ChatGPT durchsuchte das Web, nannte seine Quellen als Fußnoten und korrigierte sich sogar selbst: Eine Zahl aus einer Marketing-Darstellung („mehrere tausend Fälle pro Jahr") relativierte es auf Nachfrage als nicht belastbar. Es gewichtete Fachanwaltstitel klar über Sternebewertungen.
Perplexity
Am stärksten an Rankings und Verzeichnissen orientiert, mit sauberen Quellenangaben. Genau hier passierte aber der größte Fehler des gesamten Tests – dazu gleich mehr. Perplexity stützte sich in einem Markt fast ausschließlich auf ein einziges Ranking-Portal.
Gemini
Am stärksten von Google Maps getrieben: Sterne, Öffnungszeiten, Standort. Das führte dazu, dass Gemini sich vor allem an Bewertungen orientierte – und dadurch in einem Fall eine schwach bewertete Kanzlei empfahl. Es nannte außerdem teils andere Ansprechpartner als die übrigen Systeme.
Google-KI-Übersicht
Am kompaktesten und am nächsten an der klassischen lokalen Suche. Sie nannte drei Kanzleien mit knapper Begründung und Quellen-Fußnoten – im Ergebnis ähnlich wie eine gut sortierte Google-Suche, nur vorformuliert als Empfehlung.
Halluzinationen und Volatilität: wo die KI patzte
Der Test hätte als Erfolgsgeschichte der KI enden können. Tat er aber nicht. Drei Beobachtungen zeigen, warum man KI-Empfehlungen nicht blind trauen sollte – und warum das für Kanzleien eine Chance ist.
Für einen Mandanten, der nicht nachfragt, wäre die erste Empfehlung schlicht unbrauchbar gewesen. Genau das ist die Gefahr: Die KI klingt souverän, auch wenn sie danebenliegt.
Dazu kommt die Volatilität: Schon die Umformulierung einer Frage oder ein anderer Tag kann zu anderen Empfehlungen führen. Eine KI-Empfehlung ist keine feste Rangliste, sondern eine Momentaufnahme aus den Quellen, die das System gerade findet.
Sie wollen sichergehen, dass die KI Ihre Kanzlei korrekt und vollständig darstellt – statt sie zu übersehen oder falsch einzuordnen? Wir prüfen Ihre KI-Sichtbarkeit und die Quellen dahinter.
Was Kanzleien daraus lernen
Der Test lässt sich in einem Satz zusammenfassen: KI-Empfehlungen sind beeinflussbar, aber nicht garantiert – und sie folgen denselben Signalen, die gutes Kanzleimarketing ohnehin aufbaut. Konkret bedeutet das:
- Fachanwaltstitel und Spezialisierung gehören sichtbar nach vorn – auf die Website, in jedes Verzeichnis, in jedes Profil. Sie sind das stärkste Signal für die KI.
- Präsenz in seriösen Anwaltsverzeichnissen und ein vollständiges Google-Unternehmensprofil sind die Quellen, aus denen die KI schöpft. Wer dort fehlt, ist unsichtbar.
- Die eigene Website muss maschinenlesbar sein: klare Angaben, strukturierte Daten, keine Widersprüche zwischen Impressum, Profil und Startseite.
- Bewertungen helfen, entscheiden aber nicht allein. Substanz schlägt Sternezahl – zumindest bei den textbasierten Systemen.
- Wer in einem umkämpften Markt oder einer Nische sitzt, muss besonders auf Sichtbarkeit achten, weil dort kleine Unterschiede über die Empfehlung entscheiden.
Der Unterschied zwischen unserer überall empfohlenen Kanzlei und der nirgends genannten lag nicht in der juristischen Qualität – beide sind stark. Er lag in der Sichtbarkeit an genau den Stellen, an denen die KI nachschaut.
Fazit
Die Frage „Welchen Anwalt soll ich nehmen?" wird immer öfter an eine KI gestellt – und die KI antwortet. Unser Test zeigt: Sie antwortet bereitwillig, uneinheitlich und gelegentlich falsch. Aber sie antwortet nach Regeln, die sich benennen lassen: Fachanwaltstitel, Spezialisierung, Präsenz in den richtigen Quellen, eine saubere Website.
Für Kanzleien ist das eine gute Nachricht. Wer diese Signale aufbaut, wird empfohlen – wie die Kanzlei, die in unserem Test überall auf Platz eins stand. Wer sie vernachlässigt, bleibt unsichtbar, egal wie gut die juristische Arbeit ist.
Wie man diese Sichtbarkeit systematisch aufbaut – über Website, Verzeichnisse und lokales Marketing –, zeigen wir im Kanzleimarketing bei OMmatic. Und wir machen den Test gern für Ihr Rechtsgebiet, damit Sie schwarz auf weiß sehen, wo Ihre Kanzlei bei der KI steht.
Welche Kanzlei empfiehlt die KI in Ihrem Rechtsgebiet – und ist Ihre dabei? In 45 Minuten führen wir den Test gemeinsam durch und zeigen Ihnen die Antworten aller vier Systeme.





