Die BORA (Berufsordnung für Rechtsanwälte) ist das Satzungsrecht der deutschen Anwaltschaft. Sie konkretisiert die beruflichen Pflichten aus der Bundesrechtsanwaltsordnung — etwa zu Verschwiegenheit, Umgang mit Mandanten, Fremdgeld und Werbung. Erlassen wird sie von der Satzungsversammlung bei der Bundesrechtsanwaltskammer. Für das Kanzleimarketing ist die BORA relevant, weil sie die Grenzen zulässiger Anwaltswerbung näher bestimmt.

Was ist die BORA?
Die BORA (Berufsordnung für Rechtsanwälte) ist das Satzungsrecht der deutschen Anwaltschaft. Sie konkretisiert die berufsrechtlichen Pflichten, die im Gesetz nur in Grundzügen angelegt sind, und regelt das anwaltliche Verhalten im Detail. Beschlossen wird sie von der Satzungsversammlung, einem eigens gewählten Parlament der Anwaltschaft, das bei der Bundesrechtsanwaltskammer angesiedelt ist.
Die BORA steht damit in einer Normenhierarchie unterhalb der gesetzlichen Regelungen: Sie füllt den Rahmen aus, den die BRAO vorgibt, darf ihm aber nicht widersprechen. Für Kanzleien ist sie im Alltag oft konkreter greifbar als das Gesetz, weil sie viele praktische Fragen des Berufsverhaltens beantwortet. Den amtlichen Charakter und die Einordnung beschreibt der Wikipedia-Artikel zur Berufsordnung für Rechtsanwälte.
Damit ist die BORA das entscheidende Bindeglied zwischen dem abstrakten Gesetz und der konkreten Marketingpraxis einer Kanzlei und beantwortet viele Fragen des Berufsalltags, die das Gesetz offenlässt.
Was regelt die Berufsordnung im Einzelnen?
Die BORA behandelt zentrale Berufspflichten: die Verschwiegenheit, das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, den Umgang mit Fremdgeldern, die Zusammenarbeit unter Kollegen sowie die anwaltliche Werbung. Gerade der Werbeteil ist für das Kanzleimarketing entscheidend, weil er konkretisiert, was zulässig ist und wo die Grenzen liegen.
Für die Außendarstellung heißt das: Werbung ist Anwältinnen und Anwälten grundsätzlich erlaubt, solange sie sachlich über die berufliche Tätigkeit informiert und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Diese Linie prägt die Anwaltswerbung ebenso wie den Umgang mit dem Fachanwaltstitel, dessen Führung an strenge Voraussetzungen geknüpft ist.
Der Sachlichkeitsgrundsatz ist der rote Faden durch das gesamte anwaltliche Werberecht. Er verlangt keine trockene oder lieblose Darstellung, sondern untersagt marktschreierische Übertreibung und die gezielte Ansprache einzelner Personen zur Mandatserteilung in einem konkreten Fall. Innerhalb dieser Grenzen dürfen Kanzleien durchaus Persönlichkeit zeigen, ihre Schwerpunkte betonen und modern auftreten. Der Unterschied liegt zwischen informierender Selbstdarstellung, die erlaubt ist, und aufdringlicher Anpreisung, die es nicht ist.
Warum ist die BORA für das Kanzleimarketing wichtig?
Wer eine Kanzlei bewirbt, bewegt sich in einem engeren rechtlichen Korridor als andere Branchen. Die BORA setzt den Maßstab für Kanzleimarketing und entscheidet mit darüber, wie Websites, Anzeigen und Social-Media-Auftritte gestaltet sein dürfen. Verstöße können berufsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, weshalb Marketing und Berufsrecht zusammen gedacht werden müssen.
Besonders relevant wird das bei digitalen Kanälen. Der Einsatz von KI im Kanzleimarketing und die Gestaltung von rechtssicheren Google Ads für Anwälte müssen den Sachlichkeitsgrundsatz wahren. Reißerische Versprechen, irreführende Erfolgsangaben oder aufdringliche Direktansprache sind heikel – hier greift neben der BORA auch das allgemeine UWG.
Neben dem Berufsrecht gelten für Kanzleien auch die allgemeinen Pflichten des digitalen Auftritts. Die Impressumspflicht und die DSGVO sind auf jeder Kanzlei-Website einzuhalten, unabhängig von der BORA. Wer beides zusammendenkt, vermeidet, dass ein sauber berufsrechtlich gestalteter Auftritt an formalen Pflichtangaben scheitert.
BORA in der Praxis: Werbung und Außenauftritt
In der Praxis bedeutet der Sachlichkeitsgrundsatz nicht, dass Kanzleien blass auftreten müssen. Erlaubt sind etwa Angaben zu Tätigkeitsschwerpunkten, Qualifikationen, Sprachen und Erfahrung, ebenso eine professionelle, ansprechende Gestaltung. Grenzen bestehen dort, wo Werbung übertreibt, vergleicht, ohne Grundlage Erfolge verspricht oder gezielt einzelne Personen zur Mandatserteilung drängt.
Auch bei der Mandantenakquise ist Fingerspitzengefühl gefragt. Bewertungen, Referenzen und Fallbeispiele sind möglich, müssen aber wahr, nachprüfbar und – mit Blick auf die Verschwiegenheit – anonymisiert oder freigegeben sein. Der Grat zwischen wirkungsvollem Marketing und berufsrechtlichem Verstoß ist schmal, weshalb im Zweifel die zuständige Rechtsanwaltskammer Auskunft gibt.
In der Praxis bewährt es sich, konkrete Formulierungen früh zu prüfen. Aussagen wie garantierte Erfolge, pauschale Bestleistungen oder emotional aufgeladene Versprechen sind riskant, während sachliche Angaben zu Tätigkeitsfeldern, Qualifikationen und Arbeitsweise unproblematisch sind. Auch Kundenstimmen und Fallbeispiele sind möglich, sofern sie wahr, nachprüfbar und mit Blick auf die Verschwiegenheit zulässig sind. Dieser prüfende Blick verhindert, dass eine an sich gute Idee berufsrechtlich zum Problem wird.
Typische Fehler und Fallstricke
Ein häufiger Fehler ist, Marketingideen aus anderen Branchen ungeprüft zu übernehmen. Was für einen Onlineshop selbstverständlich ist – etwa aggressive Rabattaktionen oder superlativische Werbung – kann für eine Kanzlei berufsrechtlich unzulässig sein. Ebenso problematisch sind unklare Angaben zu Spezialisierungen, die den geschützten Fachanwaltstitel suggerieren, ohne dass er tatsächlich verliehen wurde.
Auch der Umgang mit Mandantendaten in der Werbung wird oft unterschätzt: Die Verschwiegenheitspflicht wiegt schwer und lässt sich nicht durch Marketinginteressen aushebeln. Verstöße gegen die BORA können Rügen oder weitergehende berufsrechtliche Maßnahmen auslösen und zusätzlich wettbewerbsrechtliche Abmahnungen nach sich ziehen.
Wichtig ist zudem, das Berufsrecht nicht als starres Verbotssystem misszuverstehen. Es hat sich über die Jahre spürbar liberalisiert und lässt heute deutlich mehr Marketing zu als früher. Wer die Grundprinzipien kennt und im Zweifel die zuständige Kammer fragt, kann Sichtbarkeit aufbauen, ohne unnötige Risiken einzugehen. Der beste Schutz ist eine Kombination aus solider Kenntnis der Regeln und einer grundsätzlich seriösen, wahrheitsgetreuen Kommunikation.
BORA im Gefüge des anwaltlichen Berufsrechts
Die BORA ist ein Baustein eines mehrschichtigen Systems. Über ihr steht die BRAO als Gesetz, insbesondere die Werbevorschrift des § 43b BRAO, die den zulässigen Rahmen für anwaltliche Werbung absteckt. Die BORA konkretisiert diese Vorgabe, ergänzt um Regelungen für angrenzende Berufe wie die werberechtlichen Grenzen für Steuerberater.
Für die Praxis heißt das: Wer Kanzleimarketing betreibt, sollte BORA und BRAO gemeinsam lesen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen. Aktuelle Fassungen und Erläuterungen stellt die Bundesrechtsanwaltskammer bereit. So lässt sich wirksames Marketing gestalten, das die berufsrechtlichen Grenzen respektiert.
Zusammengefasst ist die BORA für Kanzleien kein Hindernis, sondern ein Ordnungsrahmen, der seriöses Auftreten von unlauterem abgrenzt. Sie erlaubt informierende Werbung, professionelle Gestaltung und moderne Kanäle, verlangt aber Sachlichkeit, Wahrheit und Respekt vor der Verschwiegenheit. Wer diese Prinzipien beherzigt, kann seine Kanzlei sichtbar machen, ohne das Vertrauen zu gefährden, das die Grundlage jeder anwaltlichen Beziehung ist. Gerade weil Mandanten in rechtlichen Fragen besonders auf Seriosität achten, wirkt ein sachlicher, kompetenter Auftritt oft überzeugender als lautstarke Werbung. Die BORA lenkt das Marketing damit in genau die Richtung, die bei rechtsuchenden Menschen tatsächlich Wirkung entfaltet.
BORA praktisch anwenden
Für die tägliche Marketingarbeit lohnt sich ein einfacher Prüfmaßstab: Ist die Aussage sachlich und wahr, informiert sie über die berufliche Tätigkeit, und verzichtet sie auf unzulässige Einzelfallansprache? Wer diese Fragen bejahen kann, bewegt sich meist im zulässigen Rahmen. Der Werberahmen der BORA konkretisiert dabei die gesetzliche Grundregel des § 43b BRAO, an der sich jede Maßnahme letztlich messen lassen muss.
Sinnvoll ist es, Marketingmaßnahmen früh berufsrechtlich zu prüfen, statt fertige Kampagnen nachträglich zu korrigieren. Ein durchdachter, sachlicher Auftritt ist kein Nachteil, sondern ein Vertrauenssignal, das gerade bei rechtsuchenden Mandanten wirkt. So wird die BORA vom vermeintlichen Hemmschuh zu einer Leitplanke, die seriöses und zugleich wirksames Kanzleimarketing ermöglicht.