Bewertungsrecht bezeichnet die rechtlichen Regeln rund um Online-Bewertungen — insbesondere die Frage, welche Bewertungen zulässig sind, wann Betroffene ihre Löschung verlangen können und wie Unternehmen mit Bewertungen werben dürfen. Es speist sich aus Äußerungsrecht, Persönlichkeitsrecht und Wettbewerbsrecht: Wahre Tatsachen und Meinungsäußerungen sind meist geschützt, unwahre Behauptungen, Schmähkritik und gekaufte Fake-Bewertungen dagegen angreifbar.

Was ist Bewertungsrecht?
Bewertungsrecht bezeichnet die rechtlichen Regeln rund um Online-Bewertungen — insbesondere die Fragen, welche Bewertungen zulässig sind, wann Betroffene ihre Löschung verlangen können und wie Unternehmen mit Bewertungen werben dürfen. Es ist kein eigenes Gesetz, sondern speist sich aus Äußerungsrecht, Persönlichkeitsrecht und Wettbewerbsrecht. Wahre Tatsachen und Meinungsäußerungen sind meist geschützt, unwahre Behauptungen, Schmähkritik und gekaufte Fake-Bewertungen dagegen angreifbar.
Die folgende Darstellung ist eine allgemeine, beschreibende Einordnung und keine Rechtsberatung. Wer konkret gegen eine Bewertung vorgehen oder mit Bewertungen werben will, sollte den Einzelfall anwaltlich prüfen lassen. Eine Übersicht über Funktion und Rechtsfragen von Bewertungen bietet das Wikipedia-Stichwort Bewertungsportal.
Welche Bewertungen sind zulässig — und welche nicht?
Grundsätzlich sind Bewertungen von der Meinungsfreiheit gedeckt: Auch scharfe, subjektive Kritik muss ein Unternehmen hinnehmen, solange sie auf einem echten Kundenkontakt beruht. Angreifbar sind dagegen unwahre Tatsachenbehauptungen — etwa der falsche Vorwurf, ein Dienstleister habe ohne Auftrag abgerechnet —, Schmähkritik ohne Sachbezug, Beleidigungen sowie Bewertungen ohne jeden Kundenkontakt. Zivilrechtlich stützen sich Ansprüche unter anderem auf das allgemeine Deliktsrecht nach § 823 BGB und den daraus abgeleiteten Unterlassungsanspruch.
Bewertungsportale und Plattformen wie Google trifft nach der Rechtsprechung eine Prüfpflicht. Rügt der Bewertete konkret, dass einer Bewertung kein Kundenkontakt zugrunde liegt, muss die Plattform beim Verfasser nachfragen und die Bewertung entfernen, wenn der Nachweis ausbleibt. Dieses Prüfverfahren, das der Bundesgerichtshof in mehreren Entscheidungen konkretisiert hat, ist der wichtigste Hebel, um unberechtigte Bewertungen löschen zu lassen.
Umgang mit negativen Bewertungen in der Praxis
Der erste Schritt ist die nüchterne Analyse: Handelt es sich um berechtigte Kritik, um eine überzogene, aber zulässige Meinung oder um eine rechtswidrige Bewertung? Auf zulässige Kritik antwortet man öffentlich, sachlich und lösungsorientiert — die Antwort lesen vor allem künftige Kunden. Ein professioneller Umgang wirkt oft überzeugender als die Bewertung selbst und stärkt den Social Proof.
Bei rechtswidrigen Bewertungen führt der Weg über die Meldefunktion der Plattform mit konkreter Begründung; bleibt das erfolglos, können anwaltliche Aufforderung und gerichtliche Schritte folgen. Für Kanzleien und Heilberufe gilt eine Besonderheit: Die Verschwiegenheitspflicht verbietet es, in öffentlichen Antworten Mandats- oder Behandlungsdetails zu nennen — selbst die Bestätigung des Mandatsverhältnisses kann problematisch sein. Professionelle Antworten bleiben deshalb allgemein und bieten den direkten Kontakt an. Das gepflegte Google Business Profile ist dabei der zentrale Ort für Bewertungen im lokalen Umfeld.
Werben mit Bewertungen — die Regeln
Wer mit Bewertungen und Sternen wirbt, unterliegt dem Wettbewerbsrecht. Gekaufte oder gefälschte Bewertungen sind unzulässig und abmahnfähig, ebenso das gezielte Unterdrücken negativer Stimmen bei gleichzeitiger Werbung mit einem Gesamtergebnis. Nach § 5 UWG sind irreführende geschäftliche Handlungen verboten, wozu auch getürkte Bewertungen zählen.
Zusätzlich verlangt das Gesetz Transparenz: Wer Verbraucherbewertungen zugänglich macht, muss nach § 5a UWG darüber informieren, ob und wie sichergestellt wird, dass die Bewertungen von echten Kunden stammen. Verstöße können Abmahnungen nach sich ziehen. Zulässig und wirksam ist dagegen systematisches, ehrliches Bewertungsmanagement: zufriedene Kunden aktiv, aber ohne Gegenleistung um Bewertungen bitten, auf alle Bewertungen professionell reagieren und Bewertungen als Vertrauenselement auf Landingpage und Website einbinden — mit korrekter Quellenangabe und ohne selektive Verzerrung des Gesamtbilds.
Bewertungsrecht im Kontext des Online-Marketings
Bewertungen sind ein zentraler Baustein der lokalen Sichtbarkeit und beeinflussen sowohl das Ranking in Kartendiensten als auch die Klickentscheidung in den Suchergebnissen. Rechtssicheres Bewertungsmanagement ist damit kein reines Compliance-Thema, sondern Teil einer wirksamen Strategie zur Reichweite und Neukundengewinnung. Wer die rechtlichen Grenzen kennt, kann Bewertungen offensiver und zugleich sicher nutzen.
Zu beachten ist außerdem das Datenschutzrecht: Beim Sammeln und Veröffentlichen von Bewertungen werden personenbezogene Daten verarbeitet, sodass die DSGVO greift. Bewertungsanfragen per E-Mail etwa setzen in der Regel eine Rechtsgrundlage voraus. Bewertungsrecht steht damit an der Schnittstelle mehrerer Rechtsgebiete und sollte im Zweifel fachkundig begleitet werden.