Share of Voice (SOV) bezeichnet den Anteil, den eine Marke an der gesamten Sichtbarkeit oder Werbepräsenz ihres Marktes hat — im Vergleich zu den Wettbewerbern. Ursprünglich als Anteil am Werbedruck einer Branche definiert, wird der Begriff heute breiter verwendet: für Anteile an Suchergebnissen, Anzeigenimpressionen, Social-Media-Erwähnungen oder Nennungen in KI-Antworten. Er zeigt, wie präsent eine Marke im Vergleich zum Wettbewerb ist.
Wie wird der Share of Voice gemessen?
Die Grundformel ist einfach: eigene Sichtbarkeit geteilt durch die Gesamtsichtbarkeit des Marktes. Was als Sichtbarkeit zählt, hängt vom Kanal ab. In der klassischen Mediaplanung sind es Werbeausgaben oder Bruttokontakte im Vergleich zur Branche. Im Suchmaschinenmarketing wird der SOV über Rankings und Klickwahrscheinlichkeiten für ein definiertes Keyword-Set geschätzt; bei Google Ads liefert der Anteil an möglichen Impressionen einen direkten Näherungswert.
In Social Media messen Monitoring-Tools den Anteil der Markenerwähnungen an allen Erwähnungen der relevanten Wettbewerber. Neu hinzugekommen ist die KI-Sichtbarkeit: Wie oft wird eine Marke in Antworten von KI-Suchsystemen genannt, verglichen mit Mitbewerbern? Für jede Messung gilt: Der Wert ist nur so aussagekräftig wie die Auswahl der Wettbewerber und Suchbegriffe, auf denen er basiert.
Warum ist Share of Voice wichtig?
Absolute Kennzahlen wie Reichweite oder Impressionen sagen wenig darüber, wie ein Unternehmen im Wettbewerb steht. Der SOV liefert genau diesen Kontext: Er zeigt, ob die eigene Marke im relevanten Markt präsent genug ist, um bei Kaufentscheidungen überhaupt in Betracht gezogen zu werden. In der Markenforschung wird zudem ein Zusammenhang zwischen dauerhaft überdurchschnittlichem Werbedruck und wachsendem Marktanteil beschrieben.
Für eine Kanzlei übersetzt sich das in eine konkrete Frage: Wenn ein potenzieller Mandant nach „Fachanwalt Erbrecht“ in der eigenen Stadt sucht — wie oft taucht die eigene Kanzlei in Suchergebnissen, Anzeigen und KI-Antworten auf, verglichen mit den relevanten Wettbewerbern? Ein niedriger SOV bedeutet: Die Konkurrenz führt die Gespräche, bevor die eigene Kanzlei überhaupt sichtbar wird.
Share of Voice in der Praxis nutzen
Praktisch beginnt SOV-Arbeit mit einer klaren Definition: Welche Wettbewerber, welche Keywords, welche Kanäle bilden den Markt ab? Danach lässt sich der Anteil regelmäßig tracken — etwa über SEO-Tools mit Sichtbarkeitsvergleich, den Impressionsanteil in Google Ads und Social-Listening-Tools. Wichtig ist die Entwicklung über die Zeit, nicht der einzelne Messpunkt.
Ein typischer Fehler ist, SOV isoliert zu maximieren: Sichtbarkeit bei Suchbegriffen ohne Geschäftsrelevanz bringt Präsenz, aber keine Mandate oder Aufträge. Sinnvoll ist die Kombination mit Performance-Kennzahlen — der SOV zeigt die Wettbewerbsposition, Conversion-Kennzahlen zeigen, ob die Präsenz auch in Anfragen mündet.