Einleitung
Marcel Zirkel ist Geschäftsführer, Gesellschafter und Co-Gründer der OMmatic GmbH. Mit über 10 Jahren Erfahrung in SEO, SEA und Social Media verantwortet er Strategie, Produktentwicklung und die Weiterentwicklung der Software-Plattform Trailblazer.
Im Gespräch spricht er darüber, was Kanzleien digital wirklich voranbringt – und warum mehr Marketing nicht automatisch mehr Mandate bedeutet.
Fragen und Antworten
F1: Du bist seit über 10 Jahren im Online-Marketing für Kanzleien. Was hat sich in dieser Zeit am stärksten verändert – und was ist überraschend gleich geblieben?
Verändert: Google bewertet heute Expertise statt Keywords – E-E-A-T ist Realität. Gleich geblieben: der stille Pakt vieler Kanzleien mit dem Minimum. Der Anwalt, der sagt „ich brauche kein Marketing, meine Mandanten kommen durch Empfehlung“, sitzt meist in einem Büro, das seit 2009 nicht renoviert wurde – und wundert sich, warum die Empfehlungen langsam ausbleiben.
F2: OMmatic arbeitet datengetrieben. Was bedeutet das konkret im Alltag einer Kanzlei – und was messt ihr, das andere Agenturen oft ignorieren?
Call-Tracking pro Keyword. Nicht Klicks, nicht Impressionen – sondern: Diese 2.400 Euro haben 4 Mandate mit ca. 18.000 Euro Auftragswert erzeugt. Und die Qualität der Anfragen. Wer als Wirtschaftsstrafrechts-Kanzlei täglich Anrufe wegen Strafzetteln bekommt, hat kein Marketing-Problem, sondern ein Targeting-Problem.
F3: Ihr stellt jeder Kanzlei zuerst dieselbe Frage: „Können Sie gerade 30 neue Mandate wirklich gut betreuen?“ Warum ist das die wichtigste Frage vor jeder Kampagne?
Weil Marketing, das funktioniert, ein Problem erzeugen kann. Überlastete Teams bearbeiten Anfragen zu langsam, der Interessent ist weg – teures Budget, schlechte Conversion, im Schlimmsten schlechte Bewertungen. Wir wollen richtiges Wachstum, nicht einfach mehr Anfragen.
F4: Welcher Fehler kostet Kanzleien am meisten – zu wenig Marketing, schlechtes Marketing oder Marketing zum falschen Zeitpunkt?
Schlechtes Marketing. Zu wenig ist berechenbar. Falscher Zeitpunkt ist heilbar. Schlechtes Marketing hinterlässt Kanzleien mit der Überzeugung, dass Marketing grundsätzlich nicht funktioniert – das ist der eigentliche Schaden.
F5: Google Ads, SEO, Social Media – wenn eine Kanzlei nur in einen Kanal investieren kann, welchen empfiehlst du und warum?
Hängt vom Zeithorizont ab. Mandate sofort: Google Ads. Marktführerschaft in 12 Monaten: SEO. Social Media als Primärkanal: nur für Einzelanwälte mit echter Ausdauer. Den meisten Anwälten geht nach Monat drei die Luft aus – und dann steht da ein LinkedIn-Profil mit dem letzten Post aus dem Herbst 2023.
F6: Du entwickelst mit Trailblazer eine eigene Software-Plattform. Was kann eine spezialisierte Plattform, was Standard-Tools nicht können?
Standard-Tools sind für alle gebaut – das ist ihr Problem. Trailblazer ist kanzleispezifisch, schlanker, wartungsärmer. Und: Wenn alle Kanzleien auf einer Plattform laufen, entstehen Muster, die bei 150 einzelnen WordPress-Seiten unsichtbar bleiben.
F7: Was wünschst du dir, dass Rechtsanwälte über Online-Marketing besser verstehen würden?
Dass Marketing Investition mit messbarer Rendite ist, nicht Kostenfaktor. Wer bei 200 Euro Stundenhonorar und 2.000 Euro Monatsinvestition drei neue Mandate gewinnt, hat keinen besseren Return irgendwo. Ich treffe Anwälte, die sagen „meine Mandanten kommen nicht über Google“ – und dann sehen wir im Analytics, dass 68 Prozent der Anfragen über organische Suche kamen.
F8: Wie sieht für dich das Kanzleimarketing in 3 Jahren aus – was wird sich grundlegend verändert haben?
KI-Sichtbarkeit wird so wichtig wie Google-Sichtbarkeit heute. AI Max und P-MAX sind der Anfang einer vollständig KI-gesteuerten Werbewelt. Was bleibt: der menschliche Faktor. KI kann Content erzeugen – Vertrauen erzeugt sie nicht. Der Abstand zwischen frühen und späten Adoptern wird in drei Jahren nicht mehr aufzuholen sein.
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